Suno will sich ein sauberes Image verpassen. Alle generierten Tracks bekommen künftig unsichtbare Wasserzeichen, die Downloads werden begrenzt. Die Signatur sitzt in der Wellenform, ist manipulationsresistent und soll Plattformen erlauben, KI-Musik zu kennzeichnen oder zu blockieren.1
Der Zeitpunkt passt Suno gut. Das Unternehmen steckt in Klagen von Universal und Sony, hat Ende Juli vor dem Münchner Landgericht gegen die GEMA verloren und muss sich nach dem Datenleck von Ende 2025 mit 55 Millionen betroffenen Nutzern2 einer Sammelklage stellen.3
Die Zahlen sprechen für die Kennzeichnung
Deezer meldet seit Juni 2026 mehr als 90.000 KI-Tracks pro Tag, erstmals über die Hälfte aller neuen Uploads.4 Trotzdem machen KI-Tracks dort nur ein bis drei Prozent der Streams aus.4 Bei Apple Music ist es ähnlich: Mehr als ein Drittel der Uploads ist „100 % AI“, aber deutlich unter 0,5 Prozent der Streams.5 75 Millionen Spam-Tracks hat Spotify gelöscht,6 seit April 2026 gibt es den „Verified by Spotify“-Haken für echte Menschen.7
Bei solchen Mengen ist Transparenz nötig. Punkt.
Ich bin kein KI-Gegner
Ich befürworte die Kennzeichnung und ich bin kein Gegner von KI-Musik. Ich nutze diese Tools selbst, als Kompositionshelfer, wenn mir an einer Stelle die Idee fehlt. Und als KI-Sänger, der echten Sängern einen Blueprint liefert, was ich mir vorstelle.
Das Tool als Skizzenblock zu nutzen, ist völlig legitim - finde zumindest ich. Als Endprodukt ohne manuelles Zutun, also ohne, dass zumindest einige Instrumente eingespielt wurden, eher nicht.
Das Problem: Es interessiert kaum jemanden
Den meisten „Gebrauchsmusikkonsumenten“ ist das Label egal. Das ist nichts anderes als Fastfood-Musik. Im Ipsos-Survey von Deezer konnten 97 Prozent der Befragten KI-Musik im Blindtest nicht von menschlicher Musik unterscheiden.4 Das Gargeling und die Artefakte, die KI-Songs noch haben, hört der durchschnittliche Hörer nicht. Selbst eingefleischte Suno-Nutzer beschweren sich vor allem über Qualitätseinbrüche im Songverlauf, nicht über das Prinzip.
Solange der Track gut klingt und nach Vertrautem schmeckt, wird KI-Musik ihren Weg gehen. Wasserzeichen ändern daran nichts, sie machen die Flut nur sichtbar und animieren tausend andere, es gleichzutun, schließlich verdienen nicht wenige KI-Produzenten richtig Geld damit.
Die Gegenbewegung
Die Gegenbewegung sind Künstler wie Angine de Poitrine. Ein (nicht mehr ganz) anonymes kanadisches Duo mit übergroßen Pappmaché-Masken, macht mikrotonalen, asymmetrischen Math-Rock. Edgy, unangepasst, höchst individuell, tatsächlich etwas Neues.8
Genau das können Suno & Co. nicht, weil sie nur reproduzieren, was es schon gibt. Ohne echte Musiker mit neuen Ideen stagniert auch die KI-Musik. Ich hoffe deshalb, dass die Klagen zu weniger unautorisiertem Training von Originalmusik führen. Nicht um KI-Musik zu verbieten, sondern damit das Neue eine Chance behält.
Fazit
Watermarks ja. Aber sie lösen das eigentliche Problem nicht, denn die Kennzeichnung ist nur der erste Schritt. Die große Frage ist, ob weiterhin etwas wirklich Neues entsteht, von Menschen, für Menschen.
-
Ryan Whitwam: „Suno hopes to go legit with watermarks for AI-generated music“ , Ars Technica, 6. August 2026. Siehe auch: „Amid legal battles, Suno says it will start watermarking songs“ , TechCrunch, 6. August 2026. ↩︎
-
„Suno-Datenleck: Have I Been Pwned ergänzt 55 Millionen Konten“ , heise online. ↩︎
-
„Gema gegen Suno: Gericht untersagt Suno Nutzung urheberrechtlich geschützter Musik“ , ZEIT ONLINE, 31. Juli 2026. Siehe auch: Tagesschau und Golem . ↩︎
-
„AI Music Tops 50% of Daily Uploads on Deezer“ , Deezer Newsroom, 21. Juli 2026. ↩︎ ↩︎ ↩︎
-
„AI-generated music is now more than half of Deezer’s uploads“ , Music Ally, 21. Juli 2026. ↩︎
-
„Spotify has deleted 75m+ tracks in ‘spammy’ AI music crackdown“ , Music Business Worldwide, 25. September 2025. ↩︎
-
„Introducing Verified by Spotify, a Signal of Authenticity“ , Spotify Newsroom, 30. April 2026. Siehe auch: „Spotify rolls out ‘Verified’ badge to distinguish human artists from AI“ , The Guardian, 30. April 2026. ↩︎
-
„Angine de Poitrine“ , Wikipedia. Siehe auch: „‘We’re not Lady Gaga and Elton John’: unmasking Angine de Poitrine“ , The Guardian, 8. Mai 2026, und „Angine De Poitrine Vol. 1“ , Bandcamp. ↩︎