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Smarthome 6 min

Meinung: Shelly vor der Übernahme durch Schneider Electric – was das für unsere Smart Homes bedeutet

Schneider Electric will offenbar Shelly übernehmen. Shelly ist eines der offensten Smart-Home-Ökosysteme – es wäre schade, wenn es den Weg der Enshittification ginge. Meine Gedanken dazu und was die Community sagt.

Meinung: Shelly vor der Übernahme durch Schneider Electric – was das für unsere Smart Homes bedeutet
Inhaltsverzeichnis

Man kennt das Gefühl, wenn ein Hersteller, den man seit Jahren schätzt, plötzlich zum Übernahmekandidaten wird. Bei mir war es am 29. Juli 2026 so weit: Die Shelly ShellyBulgarischer Hersteller von WLAN-basierten Smarthome-Relais, Sensoren und Aktoren. Beliebt wegen der lokalen Steuerung ohne Cloud-ZwangMehr dazu → Group bestätigte per Pflichtmitteilung, was zuvor schon Bloomberg berichtet hatte – der französische Elektrokonzern Schneider Electric führt Gespräche über eine Übernahme . Rund 70 Euro je Aktie sollen im Raum stehen, das entspräche einer Bewertung von etwa 1,3 Milliarden Euro. Die Aktie sprang prompt um 14 Prozent nach oben.

Was ist passiert?

Noch ist alles völlig offen: kein Angebot, keine Konditionen, kein Zeitplan. Shelly selbst betont, dass sich die Gespräche in einem sehr frühen Stadium befinden – und bis zu einem verbindlichen Angebot inklusive Due-Diligence und Kartellprüfung können Monate vergehen. Auch die tink-Redaktion hat das Thema ausführlich eingeordnet .

Trotzdem verfolge ich die Sache aufmerksam. Denn bei so einer Übernahme steht genau das auf dem Spiel, was Shelly für mich so sympathisch macht.

Warum ich Shelly mag

Bei mir sind ein paar Shelly Geräte im Einsatz – der Shelly 3EM für die Strommessung und ein paar Relais. Was mich überzeugt hat: Die Geräte funktionieren ohne Zwangs-Cloud und ohne zusätzlichen Hub, lassen sich direkt im WLAN ansprechen und in Home Assistant integrieren. Kein Konto, kein Serverzwang, kein „Ziegel-Risiko“, wie ich es am Beispiel Belkin WEMO schon einmal beschrieben habe . Die Shelly Relais sind sehr kompakt und bislang hatte ich auch nie Probleme damit.

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Besonders gut gefällt mir die Bluetooth-Proxy-Funktion der Shelly-Geräte. Damit fungieren die kleinen Relais als Brücke für meine BLE BLEBluetooth Low Energy – Energieeffiziente Bluetooth-Variante für Sensoren. Xiaomi Mijia Temperatursensoren und Feuchtigkeitsmesser nutzen z.B. BLEMehr dazu → -Sensoren und reichen die Daten direkt an Home Assistant weiter – praktisch, ohne zusätzliche Bridge-Hardware. Dazu kommt das Tempo bei Updates: Shelly liefert regelmäßig neue Firmware und erweitert das Sortiment in einem Rhythmus, den man von einem Konzernprodukt nicht kennt. Genau diese Offenheit hat Shelly zum Liebling der Home-Assistant-Community gemacht.

Die Community ist gespalten

Die Reaktionen in der Community, allen voran im Home-Assistant-Subreddit , sind erwartbar gespalten. Ein Teil fürchtet den klassischen Weg der Enshittification EnshittificationEin von Cory Doctorow geprägter Begriff für den schleichenden Qualitätsverfall digitaler Plattformen. Er beschreibt den Prozess, bei dem ein Dienst nach der Monopolisierung schrittweise den Mehrwert für Nutzer und Geschäftskunden reduziert, um den eigenen Profit zu maximieren – bis das Produkt so stark degradiert, dass schließlich auch Nutzer, Partner und Investoren abwandern. Mehr zum Konzept in seinem Buch „Enshittification“ . : Ein Großkonzern kauft eine offene Marke, schließt nach und nach die Schnittstellen, verlagert Funktionen hinter Abos und lässt den Support ausdünnen. Der andere Teil bleibt gelassen: Shelly-Geräte laufen heute komplett lokal, und selbst wenn Schneider alles HA-Freundliche einstellte, würden die bereits verbauten Geräte einfach weiterfunktionieren.

Mein Eindruck: Die Sorge ist verständlich, aber niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt wirklich, wohin die Reise geht. Es ist schlicht noch nichts entschieden.

Es wäre nur schade

Sorge macht mir die Übernahme offen gesagt nicht wirklich – ich habe nur wenige Shelly-Geräte im Einsatz und die laufen lokal. Es wäre nur schade, wenn ein so offenes Ökosystem verschwinden oder den Weg der Enshittification gehen würde. Die Gefahr sehe ich vor allem in der Konzern-Langsamkeit: Schneider Electric ist vor allem bei Elektrofachbetrieben und im Neubau unterwegs. Da zählen Zertifizierungen, Compliance-Prozesse und lange Release-Zyklen. Aus „alle paar Wochen ein Update“ könnte schnell „ein Release pro Quartal, nach Freigabe der Rechtsabteilung“ werden.

Hinzu kommt, dass Schneider mit EcoStruxure bereits eine eigene IoT IoTInternet of Things – Überbegriff für vernetzte Geräte, die über das Internet kommunizieren (Sensoren, Aktoren, Haushaltsgeräte). Smarthome ist ein Teilbereich des IoT – mit Fokus auf lokaler Steuerung statt Cloud-Abhängigkeit -Plattform betreibt, die an rund 480.000 Standorten läuft. Da liegt der Gedanke nahe, dass ein übernommenes Shelly früher oder später Einnahmen in so ein Ökosystem speisen soll – und das riecht nach Abos. Jede Firma will ja heute irgendwas “sustainables” mit einem Abomodell machen.

Es geht erst einmal ganz normal weiter

Und genau hier greift, was mich in den Diskussionen beruhigt: Shelly-Geräte laufen lokal weiter. Selbst wenn App oder Cloud sich ändern, bleibt die Hardware über die offenen Schnittstellen und Home Assistant nutzbar. Einige der neueren Geräte unterstützen Matter MatterNeuer Smart-Home-Standard von Apple, Google, Amazon und der Connectivity Standards Alliance. Verspricht herstellerübergreifende Kompatibilität ohne Cloud-ZwangMehr dazu → , sind also unabhängig von der Zukunft der Shelly-App direkt in Home Assistant, Apple Home oder Google Home einbindbar. Vielleicht ergänzen sich Shellys Software-Stärke und Schneiders Hardware-Kompetenz am Ende sogar. Gerade im Schaltschrank könnte Shelly noch mehr Produkte für die Hutschiene haben. Hier dominieren noch 3D-gedruckte Adapter für die Shelly 1 Relais.

shelly 4em pro
Shelly 4em Pro für die Hutschiene

Und wer wirklich vollkommen unabhängig werden will, hat bei Shelly einen Trumpf, den kaum ein anderer Hersteller bietet: Einige Geräte basieren auf ESP-Chips und lassen sich - wenn auch mit etwas Aufwand - mit ESPHome ESPHomeFramework zur Konfiguration von ESP32/ESP8266-Mikrocontrollern, die sich dann automatisch in Home Assistant integrieren. Ideal für DIY-Sensoren und AktorenMehr dazu → flashen. Damit wäre man selbst dann komplett unabhängig von Shelly Firmware und Cloud, wenn der Konzern das System zuschrauben sollte – ein etablierter Weg in der Community, der sogar Automatisierungen direkt auf dem Gerät ermöglicht.

Und jetzt?

Es wäre schade, wenn aus dem Bastler-Liebling ein Konzernprodukt würde – aber Panik ist nicht angebracht. Noch ist nichts entschieden, und selbst im schlimmsten Fall bleiben meine Geräte durch lokale Steuerung funktionsfähig. Ich werde die Entwicklung weiter verfolgen und die Daumen drücken, dass Shelly offen bleibt.


Hallo! Ich bin Markus – der Fricklr. ⚡ Elektrotechniker, 🎵 Musiker (Bass, Gitarre, Keyboard) und seit über 30 Jahren beruflich „irgendwas mit Internet“ 🌐 – inzwischen auch mit KI 🤖 – ein 55-jähriger Generalist aus Bayern.

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