FabFilter hat im Januar 2026 den Pro-C 3 veröffentlicht, und ich war zunächst skeptisch. Der Pro-C 2 war bereits einer der meistgenutzten Software-Kompressoren im professionellen Umfeld, preisgekrönt, gut klingend, mit einer Oberfläche, die man entweder sofort liebt oder nie wirklich versteht. Wozu also eine Version 3? Die Antwort ist: weil FabFilter offensichtlich nicht aufhören kann, Dinge besser zu machen. Das ist manchmal anstrengend und meistens gut.
14 Algorithmen sind eigentlich zu viele#
Der Pro-C 2 brachte acht Kompressionsstile mit. Der Pro-C 3 legt sechs neue obendrauf – Versatile, Smooth, Upward, TTM, Op-El und Vari-Mu – und kommt damit auf insgesamt 14. Das klingt nach Marketing, ist es teilweise auch, aber die Unterschiede sind tatsächlich hörbar und sinnvoll differenziert. Smooth ist das, was man benutzt, wenn man nicht hören soll, dass man komprimiert. Upward macht genau das, was der Name verspricht: Pegel nach oben drücken statt nach unten. TTM kombiniert beides über mehrere Bänder, was in der Praxis entweder klingt wie ein Wunder oder wie ein Fehler – je nach Material. Vari-Mu und Op-El bedienen die unvermeidliche Nachfrage nach emulierten Hardware-Charakteren, und hier klingt Op-El tatsächlich warm genug, um die Frage zu stellen, ob man den echten Opto-Kompressor noch braucht. Spoiler: Natürlich nicht.

Das Character-Panel ist keine Spielerei#
Neu ist auch das Character-Panel mit drei Sättigungsmodi – Tube, Diode, Bright – plus einstellbarem Drive und Pre/Post-Routing. Analog-Emulationen in Software-Kompressoren sind so alt wie Software-Kompressoren, und meistens klingen sie nach „etwas wärmer". FabFilter hat sich hier mehr Mühe gegeben. Das Pre-Kompressionsrouting für die Sättigung ändert das Verhalten des Kompressors selbst, weil die Sättigungsverzerrung das Sidechain-Signal beeinflusst. Das ist kein Marketing-Feature, das ist Signalfluss-Physik, und es macht einen Unterschied.
Sidechain-EQ - Sechs Bänder, null Kompromisse#
Sechs EQ-Bänder statt drei, alle Filtershapes aus dem Pro-Q 4, inklusive Brickwall-Filtern und per-Band Mid/Side-Umschaltung. Wer regelmäßig mit Sidechain-EQing arbeitet, versteht sofort, warum das relevant ist. Ein Lowcut, der nur auf die Mid-Komponente des Sidechain-Signals wirkt, ist kein theoretisches Konstrukt – er ist praktisch nützlich für alles, was im Mix Mono-Basisfundament und stereobreite Höhen gleichzeitig trägt. FabFilter denkt beim Sidechain-EQ inzwischen so detailliert wie beim normalen EQing, und das sollte eigentlich Standard sein. Ist es aber nicht.
Immersive Audio: Endlich ein Kompressor, der mitdenkt#
Das ist der Punkt, der mich am meisten beschäftigt – buchstäblich, denn ich teste gerade ein entsprechendes Setup in meinem Studio. Dolby Atmos bis 9.1.6, automatische Kanalerkennung aus dem Hostprojekt, kein manuelles Routing-Gefrickel. Der Pro-C 3 erkennt das Multikanalformat der Sessionumgebung und passt sich an. Das Stereo-Linking im Surroundmodus funktioniert pro Stereopaar unabhängig – L/R, Ls/Rs, Lc/Rc und so weiter –, was bedeutet, dass man die Dynamikbearbeitung für jeden Kanal-Cluster separat steuern kann, ohne mehrere Plugin-Instanzen zu jonglieren.
Pro-Q 4 und Pro-R 2 haben diesen Weg schon vor dem Pro-C 3 beschritten, und das Ergebnis ist eine konsistente FabFilter-Werkzeugkette, die in immersiven Produktionsumgebungen ohne Handarbeit funktioniert. Ich bin gerade dabei, mein Studio auf ein 4+4+0-Ambisonics-Layout vorzubereiten, parallel dazu läuft channel-basiertes 8.x-Surround in Reaper für ein Konzeptalbum-Projekt, und der Pro-C 3 passt sich nahtlos in beide Szenarien ein. Das ist selten. Die meisten Kompressor-Plugins verhalten sich in Multikanal-Umgebungen wie Gäste, die nicht wissen, wo die Küche ist.
Die Instance List verändert den Workflow nachhaltig#
Mit dem kostenlosen Pro-Q 4.10-Update wurde die Instance List um Pro-C 3, Pro-G und Pro-DS erweitert. Wer Pro-Q 4 kennt und die Instance List bisher ignoriert hat: hört auf damit. Die Idee, alle Plugin-Instanzen eines Projekts – EQ, Kompressor, Gate, De-Esser – in einer einzigen Oberfläche in Insertions-Reihenfolge sortiert zu sehen, klingt nach einem dieser Features, die in der Pressemitteilung besser klingen als in der Praxis. Das Gegenteil ist der Fall. Der Zoom-Level lässt sich so einstellen, dass man entweder nur die Kernparameter sieht oder fast alle – ein Mix-Session-Setup geht damit erheblich schneller als mit dem üblichen Reiter-Gewechsel zwischen Kanal-Inserts.
Hands-On: Softube Console 1 kann den C3 steuern#
Wer ein Softube Console 1 auf dem Schreibtisch hat, bekommt hier einen relevanten Hinweis: Seit dem 2024er Update unterstützt das System FabFilter-Plugins nativ und ohne manuelles Mapping. Pro-C 3, Pro-Q 4, Pro-L 2 – alles läuft direkt über die Hardware-Oberfläche, EQ-Parameter in der EQ-Sektion, Kompressionsparameter in der Kompressionssektion, Gain-Reduction-Meter inklusive. Das ist kein Trost für die, die kein Console 1 besitzen, aber für alle anderen ist es einer der wenigen Fälle, in denen Software-Plugin und Hardware-Controller tatsächlich so zusammenarbeiten, als wäre es von Anfang an so geplant gewesen. War es offenbar auch.
Preis und Einordnung#
Pro-C 3 kostet 169 Euro, Upgrade-Preise für bestehende FabFilter-Kunden sind günstiger und über den eigenen Account abrufbar. Das Pro-Q 4.10-Update mit der erweiterten Instance List ist kostenlos. Eine 30-Tage-Testversion gibt es ohne Registrierung. Das sind branchenübliche Konditionen von einem Hersteller, der seinen Kunden gegenüber seit Jahren fair agiert – was man nicht von jedem Plugin-Entwickler sagen kann.
Ob man den Pro-C 3 braucht, wenn man bereits den Pro-C 2 hat, hängt davon ab, wie relevant Immersive-Audio-Workflows, der erweiterte Sidechain-EQ und die Character-Modi für die eigene Arbeit sind. Wer ausschließlich in Stereo mischt und mit dem Pro-C 2 zufrieden ist, wird keinen zwingenden Grund finden. Alle anderen werden nach einer Testrunde feststellen, dass FabFilter den Kompressor-Standard erneut ein Stück weitergeschoben hat – ohne dabei laut darüber zu reden.
Mehr Infos: https://www.fabfilter.com/products/pro-c-3-compressor-plug-in