Zwölf Stimmen, fünfzehn Filtermodi und Modulationen ohne Ende: Der Oberheim Matrix-12 war 1985 ein ziemliches Monster. Oberheim druckte sogar eine Übersicht der Modulationswege auf die Frontplatte. Wer einen Sound von Grund auf bauen wollte, musste sich trotzdem durch die Displays arbeiten. Genau da setzt GForce mit seinem neuen Plugin an.

GForce hat den Matrix-12 zusammen mit Oberheim und Marcus Ryle umgesetzt. Ryle gehörte schon zum Entwicklerteam des Originals. Die Software erscheint heute, am 5. November 2026, und ist laut GForce die einzige offiziell lizenzierte Umsetzung von Matrix-12 und Xpander.
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Was unter der Haube steckt
Pro Stimme gibt es zwei modellierte VCOs mit Dreieck-, Sägezahn- und Pulswelle. Der zweite liefert außerdem Rauschen und Hard Sync. Dahinter sitzen das Filter mit seinen fünfzehn Modi und zwei VCAs in Reihe. Oszillatoren, Filter und Hüllkurven hat GForce nach eigenen Angaben mit der Hardware abgeglichen. Wie nah das Ergebnis klanglich am Original liegt, kann ich ohne direkten Vergleich nicht sagen.
Dann wird es richtig umfangreich: Jede Stimme hat fünf Hüllkurven, fünf LFOs, vier Rampen, drei Tracker und einen Lag-Prozessor. Tastatur, Anschlagstärke, Aftertouch, Pitch Bend, Modulationsrad und Zufall können ebenfalls als Quellen dienen. Eine Quelle darf sogar sich selbst modulieren. Da kann man sich ordentlich verheddern, wenn die Bedienung nicht mitspielt.
Die Matrix ist jetzt sichtbar
Beim Original war genau das die Hürde. Im Plugin zieht man eine Modulationsquelle per Drag-and-drop auf den gewünschten Regler. Pro Parameter gibt es sechs bipolare Modulationsplätze. Eine farbige Markierung am Regler zeigt, wie weit er sich durch die Modulation bewegt.

Dazu kommen drei Ansichten: Flow zeichnet den Signalweg, die Mod Matrix zeigt alle Verbindungen als sortierbare Liste, und im Visualiser sieht man etwa die Wellenform oder die Filterkurve. Das klingt für mich nach der sinnvollsten Neuerung des Plugins. Die vielen Möglichkeiten des Matrix-12 nützen wenig, wenn man beim Programmieren den Überblick verliert.
Single- und Multimode
Im Single-Modus bilden die zwölf Stimmen ein Instrument. Unisono, Detune und Stereo-Spread sind möglich. Im Multi-Modus bekommt jede Stimme einen eigenen Klang. Bis zu sechs Tastaturzonen dürfen sich überlappen; jede kann einen eigenen MIDI MIDIMusical Instrument Digital Interface – Standardprotokoll zur Übertragung von Musikdaten (Noten, Anschlagstärke, Steuerbefehle) zwischen digitalen Instrumenten, Controllern und DAWs. Kein Audio, sondern Steuerdaten -Kanal und Micro-Arpeggiator haben. Einzelne Stimmen lassen sich laden, kopieren oder sperren. Mit Relative Edit ändert man gleich eine ganze Zone.
GForce hat auch ein paar Dinge ergänzt, die das Original nicht hatte: Die Rampen können zum Tempo laufen, LFO-Kurven lassen sich glätten und ein Tracker-Modus macht aus einem LFO eine Sequenz mit vier Schritten. Dazu gibt es MPE, vier globale Makros, Stereo-Delay und Matrix-Reverb. Mehr als 570 Patches sind dabei, darunter über 190 Sounds vom Matrix-12 und Xpander.
Preis, Testversion und Formate
Bis zum 5. Dezember 2026 kostet der Matrix-12 83,99 Euro, danach 119,99 Euro. Die Testversion läuft 14 Tage.
Das Plugin gibt es für Mac und Windows, jeweils als Standalone-Version, AAX, VST VSTVirtual Studio Technology – Plugin-Standard von Steinberg für virtuelle Instrumente und Effekte. VST3 ist der aktuelle Standard. Ermöglicht Synthesizer, Kompressoren, EQs als Software in der DAW und VST3. Auf dem Mac kommt AudioUnit dazu.
Mein Eindruck
Mich reizt am Matrix-12 vor allem die Modulationsmatrix. GForce hat verstanden, dass sie auf dem Bildschirm sichtbar und direkt bedienbar sein muss. Die Beschreibung macht mich jedenfalls neugierig - das liegt nicht zuletzt daran, dass ich ohnehin ein großer Oberheim-Fan bin.




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